VDI-Senioren auf Zeitreise

Röntgenphotoelektronen-Spektroskop, Quelle: nordlicht/LiKAT
Röntgenphotoelektronen-Spektroskop, Quelle: nordlicht/LiKAT

Leibniz - Institut für Katalyse e.V. Rostock

Nein, auf die Stellenanzeige des Leibniz-Institutes für Katalyse (LIKAT) in Rostock hatten sich diese Besucher nicht gemeldet. Der Arbeitskreis Senioren des BV Mecklenburg-Vorpommern wollte mit dem Besuch der Forschungseinrichtung nicht ihr Seniorendasein beenden, sondern die Chance nutzen mehr über das LIKAT als führendes Forschungsinstitut auf dem Gebiet der Katalyse zu erfahren. Mit Kontakten zu bedeutenden Industrieunternehmen wie z.B. der Henkel AG, dem internationalen Chemiekonzern EVONIK INUSTRIES, der Symrise AG etc. gab es hier Spannendes zu entdecken.

„Katalyse – ein Klassiker mit Zukunft“ war das Motto eines mit interessanten Informationen gefüllten Nachmittags. Gleich zu Beginn nahm Dr. Barbara Heller die Besucher mit auf eine Zeitreise ins Gründungsjahr des Institutes 1952: Am Standort Rostock-Glatter Aal begann die mittlerweile über 60-jährige Katalyseforschung in Rostock. Am heutigen Standort in der Südstadt setzen die Wissenschaftler unter besten Voraussetzungen in modernen Laboren ihre Arbeit fort. Leicht verständlich erläuterte Dr. Heller die Grundrichtungen der Katalyse, die homogenen und heterogenen Reaktionen. „Ich habe Erfahrung damit, das allgemein verständlich zu vermitteln, Schulklassen haben wir nämlich hier oft zu Besuch“ erläuterte sie lachend.

Schon in der Antike kam mit der alkoholischen Gärung die Katalyse zur Anwendung und dass der Mensch ohne Bio-Katalysatoren, z. B. Enzyme, nicht existieren kann erfuhren die Senioren.

Im LIKAT steht die anwendungsbezogene Grundlagenforschung im Mittelpunkt.

Hauptschwerpunkt ist das Finden von kostengünstigen Katalysatoren, mit denen bei geringer Energiezufuhr maximale Ergebnisse in der chemischen Reaktion erzielt werden.

Als öffentlich geförderte Forschungseinrichtung muss das LIKAT die Forschungsergebnisse mit der Bekanntgabe allgemein zugänglich machen. Damit wird speziell kleinen und mittleren Unternehmen der Zugang zu praxisnahen Forschungsergebnissen erleichtert.

Frau Dr. Pohl am Elektronenmikroskop, Quelle: nordlicht/LiKAT
Frau Dr. Pohl am Elektronenmikroskop, Quelle: nordlicht/LiKAT

300 Mitarbeiter sind im Institut tätig, das sich auch international einen Namen gemacht hat. Das belegen Gastforscher aus 29 Ländern, die die optimalen Bedingungen der Katalyseforschung in Rostock nutzen. Als Forschungshöhepunkte in den vergangenen Jahren, stellte die Wissenschaftlerin

der Entdeckung von Eisen als kostengünstigen Katalysator „Rost hilft bei der Herstellung von Aminen“ die Wasserstoffherstellung aus wässrigem Methanol zur umweltfreundlichen Energiegewinnung und das Kohlendioxid als Kohlenstoffquelle zur Herstellung von Carbonaten für eine breite Anwendung unter anderen in Weichmachern und Schmiermitteln vor.

Nach so viel Theorie wollte man nun auch was sehen informierte sich an verschiedenen Stationen über Forschungsgeräte in der Anwendung, z. B.im Bereich Analytik das Transmissionselektronenmikroskop mit der Darstellung von Objekten im Nanomillimeterbereich sowie das Röntgendiffaktrometer und das Röntgenphotoelektronen-Spektroskop zur Ermittlung des kristallographischen Aufbaus und der atomaren Zusammensetzung von Katalysatoren.

Nach drei Stunden Informationsaufnahme und lebhafter Diskussion verabschiedeten sich die Senioren von Dr. Barbara Heller mit herzlichem Dank für die exzellente Veranstaltung und wünschten dem LIKAT noch viele international beachtete Erfolge in der Katalyseforschung.

Wolfgang Ullrich, AK-Leiter Senioren/VDI MV

 

VDI MV und VIW MV auf Studienfahrt zum Wendelstein

Angela Merkel hatte im Februar den Startknopf gedrückt. Damit hatte die Bundeskanzlerin offiziell den Start zum wissenschaftlichen Betrieb des Kernfusionsexperimentes „Wendelstein 7-X“ gegeben.

Das wollten sich am 16. Juni auch die 70 Mitglieder und Gäste der Ingenieurvereine VDI und VIW aus Westmecklenburg und Rostock anschauen und machten sich auf den Weg nach Greifswald. Die 1 Milliarde Euro teure Anlage ist eines der bedeutendsten europäischen Forschungsprojekte.

Das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) betreibt den Forschungsreaktor „Wendelstein 7-X“. Mit dieser Experimentieranlage sollen die Grundlagen für zukünftige Kernfusionskraftwerke erforscht werden. Wenn es gelingt, die Verschmelzung von Wasserstoffkernen zu Helium technisch und wirtschaftlich nutzbar zu machen, dann steht der Menschheit in Zukunft eine billige und saubere sowie nahezu unerschöpfliche Energiequelle zur Verfügung.

Mit der Inbetriebnahme des Greifswalder Forschungsreaktors vom Typ Stellarator im Februar dieses Jahres sei man diesem Ziel einen bedeutenden Schritt nähergekommen, erklärte der Max-Planck-Physiker Dr. Dirk Hartmann den interessierten Ingenieuren in seinem Einführungsvortrag. Ausführlich erläuterte er die Wirkungsweise des Reaktors und nahm sich Zeit, die vielen Fragen bis ins Detail zu beantworten.

Was Bilder in Hartmann Vortrag nicht vermitteln konnten, waren die Komplexität und die Größe des Reaktors. Hier bot sich den Besuchern ein für Laien undurchschaubares Labyrinth von Komponenten und Leitungen in der Größe eines Einfamilienhauses.

Darin, so Hartmann, wird Wasserstoffgas mit starker Mikrowellenstrahlung auf 100 Millionen Grad Celsius erhitzt, eine Temperatur, wie sie im Inneren der Sonne herrscht. Die dazu erforderlichen Mikrowellengeneratoren waren an der nächsten Station des Rundganges zu bestaunen.

Den Abschluss der Besichtigung bildete der Besuch des Kontrollzentrums. Hätte man durch die Fenster nicht die Türme der Greifswalder Kirchen am Horizont gesehen, dann hätte man glauben können, bei der NASA in Houston zu sein. In mehreren Kreisen angeordnete Computerarbeitsplätze mit wohl über hundert Bildschirmen füllen den Saal von etwa der Größe eines Handballfeldes. Hier war dann noch einmal Gelegenheit für die Beantwortung vieler Fragen.

Reinhard Labahn, Dunkelkammer Rastow e.V.

Jugendarbeit in Rostock

Quelle: VDI

Vertreter des VDI Bezirksverein Mecklenburg-Vorpommern gestalteten am 27.10.2015 für asylsuchende Kinder Energie- und Technikstunden im Landschulmuseum Göldenitz.
Das Landschulmuseum Göldenitz hatte die Kinder der in Dummerstorf lebenden asylsuchenden Familien und deren deutschen Freunde und Betreuer für einen Tag ins Museum eingeladen.

Die VDI Mitglieder, Gerhard Palatschek und Rolf Kasimirschak, die ehrenamtlich tätig sind und Technik- und Energiekurse für Schüler im Museum anbieten und durchführen, wurden gebeten den Tag mitzugestalten.
Die teilnehmenden 14 Schüler im Alter zwischen 6 und 16 Jahre sowie die Betreuer folgten mit großem Interesse den Experimenten und Filmen. Sie erkundeten das im Landschulmuseum vorhandene Energieanschauungsmaterial, u.a. auch ein Miniaturstromnetzmodel mit Mini-kraftwerken.

Die Kinder und Jugendlichen konnten spielerisch erfahren, dass Technik Spaß machen kann und gute Berufschancen ermöglicht.

Dipl.-Ing. Rolf Kasimirschak VDI

Seit 1889 - Technik für das Leben - Exkursion Drägerwerk AG & Co. KGaA in Lübeck

„Für mich ist Dräger ein Unternehmen, in dessen Adern unser Herzblut fließt.“ So formuliert der Vorstandsvorsitzende, Stefan Dräger, der seit 2005 das Unternehmen führt, das Leitmotiv seines Unternehmens. „Für mich ist Dräger ein Unternehmen, in dessen Adern unser Herzblut fließt.“ So formuliert der Vorstandsvorsitzende, Stefan Dräger, der seit 2005 das Unternehmen führt, das Leitmotiv seines Unternehmens.

Foto: Manfred Röhl VDI

Die Bezirksgruppe Westmecklenburg des VDI durfte sich anlässlich einer Exkursion im Nachbarbundesland Schleswig-Holstein nicht nur davon, sondern auch vom höchsten Niveau der Produkte und Ihrer Fertigung überzeugen. Unser Dank für die Qualität  der Exkursion gilt vor allem unseren Gastgebern, Diplom-Geograph Heiko Schaffrath, Visitor Service Manager, und Dipl.-Ing. Markus Kratzenstein VDI. 

Dieses führende Unternehmen der Medizin- und Sicherheitstechnik wurde 1889 in Lübeck als Familienunternehmen gegründet. Derzeit befindet sich der globale börsenorientierte Konzern in der fünften Generation. Global heißt in diesem Fall, dass Dräger weltweit ca. 13.500 Mitarbeiter beschäftigt und in 190 Ländern der Erde vertreten ist. Schon vom ersten Eindruck auf dem Firmengelände waren die Exkursionsteilnehmer überwältigt: kein grauer Gebäudekomplex, sondern eine aufgelockerte Komposition mit viel Grün. Auch in der Entwicklungsstätte spürt man als Besucher, trotz der obligatorisch relevanten Sicherheit, den innovativen Geist des Unternehmens. Die Zeitachse des Unternehmens und den derzeitigen Produktstandard führte uns Herr Schaffrath nachhaltig in der Ausstellung mit über 700 m² Fläche vor. Angefangen hatte alles vor über 125 Jahren mit dem Bierdruckautomaten des gelernten Uhrmachers Johann Heinrich Dräger. Entsprechend seiner Erfindung produzierte er das Lubeca-Ventil selbst in seinem Unternehmen. Anfang des 20. Jahrhunderts war der Narkoseapparat „Roth-Dräger“ eine Weltsensation auf dem Gebiet der Anästhesie. Haupteinsatzgebiet der Medizintechnik sind heute Intensivstationen und Operationssäle, und immer als innovative Spitzenprodukte auf Weltniveau. Es folgte Sicherheitstechnik für die Rettung bei Grubenunglücken, für Notfälle, z.B. zur Beatmung für Feuerwehren und Krankenhäuser sowie diverse sicherheitsrelevante Bereiche. So prägte Dräger beispielsweise die Berufsbezeichnung der Grubenretter in den USA mit dem Begriff „Draegermen“.

Dräger-Technik war dabei, als Edmund Hillary und Tenzing Norgay als erste Menschen überhaupt den Mount Everest bezwangen.

Nicht unerwähnt soll die „präventive“ Produktion von Dräger bleiben. So mancher Kraftfahrer machte mit Testgeräten (Alkohol, Drogen) von Dräger Bekanntschaft einer ganz besonderen Art.

Die abschließende Auswertung lässt sich mit dem Zitat von Konfuzius aus der Ausstellung eindrucksvoll beschreiben:

Was du mir sagst, das vergesse ich.
Was du mir zeigst, daran erinnere ich mich.
Was du mich tun lässt, das verstehe ich.

 Ein Genuss, im wahrsten Sinne des Wortes, war der Abschluss der Exkursion im Kantinenbereich mit hochwertigen Produkten, nicht nur für Mitarbeiter des Global Player aus der Marzipanstadt Lübeck.

 Manfred Röhl, VDI

YARA Rostock - eine Betriebsbesichtigung

Der Schriftzug YARA assoziiert im ersten Moment den Namen einer neuen Papageienart. Doch in Verbindung mit einem Wikingerschiff auf blauen Grund lässt sich daraus sehr schnell eine Verbindung nach Skandinavien herstellen. Es handelt sich um das Firmenlogo des international agierenden norwegischen Chemiekonzerns YARA International ASA mit Sitz in Oslo.

Es befindet sich am Eingangsgebäude des ehemaligen VEB Düngemittelwerk Rostock in Poppendorf, unserem Treffpunkt. Heute ist dieser größte Chemiebetrieb in Mecklenburg-Vorpommern eine Zweigniederlassung der YARA GmbH & Co. KG mit Sitz in Dülmen und heißt YARA Rostock. Hier sind wir mit Herrn Christian Selck verabredet. Er ist im Unternehmen verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit, die Nachwuchsausbildung und die Arbeit mit dem Betriebsrat. Ein kompetenter Referent und Gesprächspartner wie wir in einem einführenden Vortrag erfahren.

Doch zu allererst erfolgt die für Besuchergruppen obligatorische Arbeitsschutz-unterweisung, bei der wir auch mitgeteilt bekommen, dass der Betrieb nach den neuesten Qualitäts-, Umweltschutz- und Arbeitsschutzrichtlinien arbeitet, zertifiziert ist  und seit einem Jahr unfallfrei arbeitet.

Herr Selck erläutert dann sehr anschaulich wie aus Ammoniak und Kalk Stickstoffdünger entsteht, welche Fertigprodukte hergestellt werden und welcher Dünger das Hauptprodukt ist. Nach dem Anlegen der Schutzausrüstung sind wir bestens für unseren Rundgang durch das Betriebsgelände vorbereitet. Bestimmte Bereiche dürfen wir nur mit angelegter Schutzausrüstung betreten. Farbige Linien, die sich quer über Fußwege, Fahrbahnen und sogar Gleise hinweg ziehen, kennzeichnen diese  Gefahrenbereiche. So geht es mit Helm, Schutzbrille, Arbeitsschutzschuhen und Kittel auf dem 1,5 km langen Rundweg und oft über mehrere Stockwerke durch die Produktions-, Lagerungs- und Versandanlagen des seit 1984 am Standort Poppendorf  produzierenden Chemiebetriebes. Während des Rundgangs erfahren wir von Herrn Selck, dass seit 1991 mehr als 100 Mio. Euro investiert wurden und weitere Großinvestitionen geplant sind. Dabei richtet sich alles nach den Kundenwünschen aus. Der Anteil des Bahnversandes ist stark rückläufig. Im gleichen Verhältnis hat der LKW-Versand zugenommen. Der neueste Trend im Versand geht hin zu Schwerlast Big-Bags und dafür muss noch eine Abfüllanlage aufgebaut werden, erläutert Herr Selck.

Nach einem Mittagessen in der modernen Betriebsgaststätte erfahren wir dann im Abschlussgespräch noch, dass nicht nur die Produktion sondern auch der optimale Einsatz der Düngemittel in der Landwirtschaft ein Hauptanliegen von YARA ist. Deshalb werden regelmäßig Seminare über neueste Forschungs- und Entwicklungsergebnisse durchgeführt und Landwirte z.B. in der Anwendung des YARA-N-Sensors geschult.

Dieser Stickstoffsensor ermittelt bei der Überfahrt über das Feld automatisch den Düngerbedarf der Pflanzenkulturen, der dann online an den Düngerstreuer übertragen wird. Dieser stellt die optimale und punktgenaue Dosierung des Düngers während des Streuvorganges nach diesen Informationen ein.

So erhielten wir an diesen Tag nicht nur eine Auffrischung von chemischem Wissen, sondern auch einen kleinen Einblick in die moderne Landwirtschaft.

Wolfgang Ullrich, Leiter AK Senioren VDI BV Mecklenburg-Vorpommern

Innovation beim Autobahnbau

Exkursion zur Baustelle der Bundesautobahn A14 im südwestlichen Mecklenburg


Die Reihe der anspruchsvollen Exkursionen für die Bezirksgruppe Westmecklenburg des VDI wurde im Juni fortgesetzt. Gemeinsam mit der Seniorengruppe Rostock und weiteren Gästen führte die Exkursion am 03. Juni 2015 zur im Bau befindlichen Bundesautobahn 14 im Landkreis Ludwigslust-Parchim. (s.a. Foto)

Dazu erschien am 5. Juni 2015 im Ludwigsluster Tageblatt der SVZ ein Artikel, der hier in Auszügen wiedergegeben werden soll.

„Auch für Fachexperten war dieser Tag interessant. Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI), Bezirksverein MV, hatte jetzt zu einer Exkursion eingeladen. Es ging um den Bau der A 14. Stadt- und Gemeindevertreter aus unserer Region, Ingenieure, Mitglieder der Seniorengruppe Rostock des VDI und weitere Interessenten trafen sich zunächst im Ufat-Bildungswerk Wöbbelin. Hier gab Stefan Anker, Baudirektor beim Straßenbauamt Schwerin, einen Überblick zum Bau der A 14 in MV. Er spannte den Bogen von der Aufnahme des Neubaus in den Bundesverkehrswegeplan im Juli 2003 bis zum 23. Juni 2015. An diesem Tag soll der erste Spatenstich für den Neubau der A 14 zwischen den Anschlussstellen Grabow und dem brandenburgischen Groß Warnow erfolgen (Länge ca. 10 Kilometer). „Kernstück dieses Bauabschnitts wird die 506 Meter lange Brücke über das Eldetal sein, welche die Elde und die Müritz-Elde-Wasserstraße überqueren wird“, hob Stefan Anker hervor. Bauende für diesen letzten Abschnitt in MV, der 900 Meter weit nach Brandenburg hineinführt, soll im Dezember 2017 sein. Insgesamt werden in MV rund 26 Kilometer der A 14 neu gebaut. Nach dem Vortrag besichtigten die Exkursionsteilnehmer die Autobahnbaustelle. ….“

Der Vortrag und die Exkursion zur Autobahnbaustelle waren für uns alle ein außergewöhnliches Erlebnis. Es ist sehr interessant, welche modernen Technologien beim Autobahnbau genutzt werden. Genauso spannend ist die Komplexität, die von der Bauorganisation über Physik und Technik bis hin zu juristischen Fragen reicht. An der Exkursion nahmen auch Schüler des Ludwigsluster Goethe-Gymnasiums (s.a. Foto) teil. Für an Technik interessierte Schüler eine richtungsweisende Veranstaltung.

 Manfred Röhl, VDI

Senioren zu Gast in einem der technisch anspruchsvollsten Wasserwerke Deutschlands

Täglich 26.000 bis 42.000 Kubikmeter Trinkwasser


Mitglieder des VDI Bezirksvereins Mecklenburg-Vorpommern, Arbeitskreis Senioren, besuchten am 20.05.2015 die EURAWASSER Nord GmbH im Rostocker Wasserwerk und informierten sich bei einem mehrstündigen Besuch über Technik und Verfahren der Trinkwasseraufbereitung. 

Ralf Troppens, Leiter Verfahrenstechnik Trinkwasser, und Thomas Maercker, Beauftragter für Qualitätsmanagement bei der EURAWASSER, stiegen direkt in die Technik ein.

Die wichtigsten Aufbereitungsstufen erklärt Ralf Troppens ausführlich: „Das der Warnow über zwei Entnahmebauwerke mit sechs riesigen Förderpumpen aus fünf Metern Tiefe entnommene Rohwasser wird zunächst ozoniert und danach mit Flockungsmitteln versetzt. In der nachgeschalteten Sepaflexanlage werden die sich bildenden Flocken vom Wasser getrennt. Durch die Flockung und Sedimentation werden die organischen Inhaltsstoffe um ca. 50 Prozent reduziert. Schon hier ist sichtbar, wie klar das Wasser bereits nach der ersten Aufbereitungsstufe ist. Das grob aufbereitete Wasser aus der Sepaflexanlage wird über Mehrschichtfilter geleitet und dabei mechanisch und biologisch weiter aufbereitet. Dann wird das Wasser zur Desinfektion nochmals ozoniert und zur Neutralisierung von Geschmacks- und Geruchsstoffen über Aktivkornkohle filtriert.“
Thomas Maercker ergänzt: „Das Trinkwasserpumpwerk sichert die Trinkwasserabgabe in das weitverzweigte Rohrnetz der Hansestadt Rostock. In Abhängigkeit vom Wasserbedarf und der Witterung werden täglich 26.000 bis 42.000 Kubikmeter Trinkwasser für die Verbraucher bereitgestellt.“


Der Wasserlehrpfad mit Sichtmodellen und Infotafeln vertiefte im Nachhinein das Prozedere. Nach der abschließend konstruktiven Gesprächsrunde bedankten sich der AK Senioren für die interessanten Einblicke in die Trinkwasseraufbereitung und in das Unternehmen EURAWASSER.

Wolfgang Ullrich, Vorsitzender des VDI Arbeitskreises Senioren und  ehemaliger Mitarbeiter in den Stadtwerken Rostock, betonte:  „Der VDI greift technische Entwicklungen auf und die Rostocker Wasseraufbereitung und -verteilung ist eine logistische und technische Meisterleistung. Für das Verständnis wurden uns erstklassige Austausch- und Gesprächsmöglichkeiten geboten.“

Die Senioren und das Fahrrad an der Wand

Kurzweiliger Rundgang mit vielen interessanten Details.
Foto: Wolfgang Ullrich/VDI MV

Ein Artikel in den VDI - Nachrichten vom Oktober 2014 ließ den Aktiven des Arbeitskreises  Senioren keine Ruhe: Eine Sonderausstellung im Museum für Arbeit in Hamburg beschäftigte sich mit der 200-jährigen Geschichte des Fahrrades. Das Thema: „Das FAHRRAD, Kultur, Technik und Mobilität“. Das war den Senioren aus MV eine Reise wert. „Wir waren an Technik und Hintergrund-informationen interessiert“ erklärt Wolfgang Ullrich, Leiter des Arbeitskreises. Das bietet die Führung „Museumsgespräch“ des Hamburger Museumsdienstes an.

Schnell vergingen die 1 ½  Stunden in denen Museumsführer Jens Germerdonk durch die Ausstellung führte. Viel Wissenswertes hatte er zu den Exponaten zu erzählen. Über 100 Fahrräder aus allen Epochen der Entwicklung waren an den Wänden aufgehängt. Die enge räumliche Beziehung zueinander verdeutlichte die rasante Entwicklung der Technik und des Designs der 1817 von dem Forstbeamten Karl Drais erfundenen „einspurigen Laufmaschine“. Diese war leider nur im Nachbau zu sehen. Alle anderen Exponate waren liebevoll gepflegte Originale aus privaten und staatlichen Sammlungen. 

Fahrräder aus allen Epochen waren zu bewundern.
Foto: Wolfgang Ullrich/VDI MV

Stand am Anfang Holz als Werkstoff im Vordergrund, wurden später die Teile geschmiedet. Ende des 19. Jahrhunderts übernahmen Werkzeugmaschinen die Fertigung. Unterhaltsam erzählte Germerdonk, wann „Licht ans Rad“ kam, was eine Diamantrahmenform ist und auch wie sich Hamburg`s Fahrradmobilität zukünftig darstellen wird. „Viele Informationen auf einmal, die auf uns „Alte“ einstürmten,“ resümiert AK-Leiter Ullrich: Doch weil die meisten von uns Maschinenbauingenieure sind, mussten anschließend noch die eine Etage tiefer ausgestellten Druckmaschinen aus dem 19. und 20. Jahrhundert besichtigt werden.“ Kleine Kunstwerke, nach ihren Verzierungen dem Jugendstil zuzuordnen, waren darunter.

Das Schneidrad der Tunnelbohrmaschine misst im Durchmesser 14,2 m.
Foto: Wolfgang Ullrich/VDI MV

Zum Abschluss zog es die Senioren noch zu „TRUDE“ auf den Freigelände am Ufer des Osterbekkanals. TRUDE ist keine Kneipe auf St. Pauli, sondern heißt „Tief Runter Unter Die Elbe“ und ist der Name der Maschine, mit der die 4. Elbröhre von 1997 bis 2000 gebohrt wurde.

„Mit vielen neuen Eindrücken traten wir die Rückreise an und fühlten uns mit den vielen Berufspendlern im Zug wieder jung und fuhren nach einem ‚Arbeitstag‘ wieder nach Hause“ schmunzelt Ullrich.